^ übersicht Der heißeste Tesla-Killer der deutschen Automobilbranche?

13.04.2016 by Tesla3.de

„Wer in der Automobilindustrie jetzt nicht energisch auf Elektromobilität setzt, der wird schon bald nicht mehr wettbewerbsfähig sein!“
Dr. Norbert Röttgen, Bundesumweltminister 2010

Verpennen die deutschen Automobilhersteller den Trend der Zukunft?
Haben die großen Drei – BMW, Mercedes und VW – bereits das Feld der reichweitenstarken Elektrofahrzeuge kampflos an Nissan, Renault, BYD und Tesla übergeben?

Gerade erst wurde bekannt, dass die Hälfte der in den Statistiken genannten 25.000 reinen Elektroautos im deutschen Bestand gar nicht mehr hier im Land existieren, sondern nur Kurzzulassungen waren, die anschließend ins benachbarte Ausland verkauft wurden. Ganz so schlimm wie es angesichts des aktuellen Elektro-Fahrzeugbestandes aussieht, der noch sehr weit vom Ziel der Bundesregierung von einer Million bis zum Jahr 2020 entfernt ist, schaut es in der deutschen Automobilbranche aber trotz aller Versäumnisse zum Glück nicht aus.

Die elektromobile Revolution

Zwar wird es in der Branche große Veränderungen geben, alleine schon weil man Spezialisten auf dem Gebiet des Verbrennungsantriebs nicht mehr brauchen wird und stattdessen Experten für Elektromotoren, Akkutechnologie sowie Ladeinfrastruktur. Aber angesichts der massiven Investitionen in Forschung und Entwicklung im Bereich der Elektromobilität kann man davon ausgehen, dass das Thema mittlerweile durchaus ernst genommen wird in den Vorstandsetagen, vielleicht sogar mehr als es angesichts der aktuellen Marktanteile gegenüber den Aktionären unter normalen Umständen zu rechtfertigen wäre. Aber was ist schon noch normal, so wenige Jahre vor dem Tipping-Point zur elektromobilen Revolution?

Man darf auch nicht vergessen, dass viele der innovativen Features in amerikanischen, japanischen oder französischen Elektrofahrzeugen vom deutschen Mittelstand oder von bekannten deutschen Automobilzulieferern wie Bosch oder Continental geliefert werden. Es ist daher nicht anzunehmen, dass uns die Chinesen oder Amerikaner von heute auf morgen einen Markt wegschnappen, der zu Deutschland gehört wie das Bier und die Lederhosen zu Bayern.

Zulieferer der Tesla Model S Komponenten

Auch ein Tesla Fahrzeug besteht aus Komponenten diverser Zulieferfirmen

Was man den großen Herstellern aber definitiv vorwerfen kann ist der mangelnde Mut ein reichweitenstarkes Fahrzeug mit sportlichem Design auf den Markt zu bringen. Wie beim iPhone, dessen vergleichsweise unausgegorenen ersten beiden Varianten von einem deutschen Unternehmen so niemals auf den Markt gebracht worden wären, musste auch bei der Elektromobilität erst ein Unternehmen aus dem Silicon Valley der Vision den Weg in die Realität ebnen. Bevor der Roadster und das Model S von Tesla Motors das Licht der Welt erblickten, waren Elektroautos langsame, hässliche und durch das stundenlange Aufladen kaum praktisch nutzbare Exoten, die außerhalb begrenzter Anwendungsfälle innerhalb von Großstädten keinen Blumentopf gewinnen konnten. Dass man mit dieser Strategie keine Euphorie für die neue Technologie wecken kann, das muss auch in den Vorstandsetagen der großen Drei bekannt gewesen sein.

Das Imperium schlägt zurück

Aber nun sind die deutschen Hersteller durch die zunehmenden Erfolge der Konkurrenz endlich aufgewacht, um den schon längere Zeit in der Entwicklung befindlichen deutschen Elektrofahrzeugen die notwendige Priorität bei der Markteinführung einzuräumen. Und die Hersteller machen das, was wir hierzulande am besten können, nämlich als Basis ein visionäres Produkt nehmen und es anschließend zur Perfektion verfeinern. Das Imperium schlägt quasi zurück und ich möchte hier den heißesten Anwärter auf den Oberklasse-Thron vorstellen.

Der meiner Meinung nach heißeste Anwärter überhaupt ist der Porsche Mission E, in dem alles verbaut werden soll was der Markt so an Innovationen zu bieten hat.

Der Porsche Mission E von vorne gesehen

Der Mission E bringt die Zuffenhausener in die automobile Zukunft

Porsches Ziele sind hochgesteckt, man möchte unter anderem die folgenden Vorgaben erfüllen oder übertreffen:

Die Entscheidung der Entwickler einen Permanentmagnet-Synchronmotor einzubauen rührt daher, dass dieser im Gegensatz zum Drehstrom-Asynchronmotor kompakter und extrem überlastbar ist. Der wesentliche Nachteil dieser Bauweise hingegen ist, dass ein Permanentmagnet bei entsprechendem Leistungsbedarf und Hitzebeständigkeit mehrere hundert Gramm besonders kostspieliger, seltener Erden benötigt und somit nicht für Fahrzeuge in Frage kommt, die in großen Stückzahlen produziert werden sollen.

Willkommen auf dem Holodeck

Besonders interessant ist das geplante Bedienkonzept des Mission E. So soll mit Gesten und sogar über Hologramme das System gesteuert werden. Die Armaturen sind in zwei dreidimensional strukturierende Lagen geteilt, wobei die obere Lage das Fahrerdisplay trägt. Zwischen den Ebenen liegt ein breites holografisches Display bis hin zur Beifahrerseite (siehe Bild unten), das individuell wählbare Apps anzeigt. Über die Apps steuert der Fahrer oder Beifahrer berührungsfrei primäre Funktionen wie Navigation, Klima, Autoradio oder Fahrzeugeinstellungen. Was sehr aufregend klingt, das muss sich in der Praxis noch bewähren, aber ein mutiger Ansatz ist es allemal.

Der Cockpit des Porsche Mission E

Im Cockpit sind OLED-Displays und Gestensteuerung geplant

Weitere Features wie OTA-Updates und die Steuerung von Außen per App kennt man bereits von Tesla, diese werden sich in Zukunft zum Industriestandard entwickeln.

Ganz neu in einem Serienfahrzeug sind die virtuellen Außenspiegel, die einerseits den cW-Wert spürbar verbessern und andererseits über Kameras ein optimales Bild zur Darstellung der Verkehrssituation hinter dem Fahrzeug einfangen können. Da es allerdings mit den US-Zulassungsbehörden Probleme mit der Betriebserlaubnis für diese Technologie gibt, bleibt abzuwarten ob sie tatsächlich den Weg in die Serie schafft. Beim Tesla Model X ist dieses Vorhaben bereits gescheitert und beim Model 3 hat man es meines Wissens erneut versucht, wobei hier noch die eine oder andere Überraschung in Sachen implementierter Features warten könnte.

Der technische Aufbau des Porsche Mission E

Wie beim Tesla Model S sitzt ein massiver Akkublock im Fahrzeugboden

Vom Aufbau her unterscheidet sich der Mission E auf den ersten Blick nicht wesentlich von anderen bekannten Elektroautos. Im Fahrzeugboden sitzt der schwere Akku, der bei der geplanten Reichweite eine Kapazität von schätzungsweise 90 bis 100 kWh haben wird. Die Vorteile dieser Bauweise sind einerseits der sehr tiefe und mittige Schwerpunkt, was besonders in den Kurven ein ganz neues Fahrgefühl bietet und andererseits Vorteile bei der Sicherheit. So kann etwa ein Auto mit einem derart niedrigen Schwerpunkt fast nicht zum Überschlagen gebracht werden.

Mit 800 Volt zurück in die Zukunft

Mit dem geplanten 800-Volt-Antrieb begibt man sich beinahe in den Bereich der Hochspannung und verspricht sich davon die Möglichkeit den Akku schneller zu beladen. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, man wird zur Erreichung dieses Ziels auch ein ausgeklügeltes Akku-Management und Kühlsystem entwickeln müssen. Zudem sind spezielle Ladesäulen vergleichbar der Supercharger notwendig, um überhaupt die angekündigten 15 Minuten Ladezeit für 400 km Reichweite erreichen zu können. Die Herausforderung besteht also nicht nur in der technischen Machbarkeit der Fahrzeugkomponenten, sondern auch in der Infrastruktur die der Mission E benötigt um auf Langstrecken sinnvoll bewegt werden zu können.

Der Porsche Mission E von der Seite gesehen

Die Portaltüren bieten wie beim BMW i3 platzsparend größtmögliche Bequemlichkeit

Können die angekündigten Neuentwicklungen von Porsche, Audi oder BMW den bisherigen Oberklassefahrzeugen von Tesla, also konkret dem Model S und dem Model X, gefährlich werden?

Falls der Preis und die Leistung stimmen, dann mit Sicherheit. Aber man darf nicht vergessen, dass auch Tesla diese beiden Fahrzeuge ständig weiter entwickelt und bald Reichweiten über 600 km anbieten wird. Zudem ist der einzige Unternehmenszweck von Tesla Motors – so verrückt das auch klingen mag – die massenhafte Verbreitung von Elektrofahrzeugen auf diesem Planeten. Bis der Mission E oder auch seine etwas preiswerteren Konkurrenten von BMW und Audi gegen Ende des Jahrzehnts tatsächlich in nennenswerten Stückzahlen auf dem Markt erscheinen, bis dahin wird Tesla bereits in ganz anderen Größenordnungen produzieren und wohl nicht mehr davon abhängig sein mit dem dann bereits rund 8 Jahre alten Model S große Gewinne einzufahren. Sobald die elektromobile Wende eingeleitet wurde, das heißt sobald sie unumkehrbar an Fahrt aufgenommen hat und Tesla Motors darüber hinaus auf stabilen finanziellen Beinen steht, wird sich der CEO Elon Musk wahrscheinlich längst anderen Zielen widmen.

Sonnige Zukunftsaussichten

Die Zukunft der deutschen Automobilhersteller und die Aussicht ein dickes Stück vom Kuchen abzubekommen stehen daher gar nicht unter einem so schlechten Stern, zumindest falls der nun eingeschlagene Weg auch konsequent zu Ende gegangen wird und man nicht davor zurückschreckt den Investitionen eine höhere Priorität einzuräumen als möglichst glänzenden Quartalszahlen.

Wie ist eure Meinung? Hinterlasst mir doch einen Kommentar unter diesem Blogeintrag, das geht auch als Gast.

Weiterlesen im Blog: Alle Infos zur Förderung von Elektroautos Teil 1 – Wie machen es die anderen?

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