^ übersicht Alle Infos zur Förderung von Elektroautos Teil 1 – Wie machen es die anderen?

16.04.2016 by Tesla3.de

Zu Teil 2 der Serie: Alle Infos zur Förderung von Elektroautos Teil 2 – Deutschlands Masterplan

Frankreich hat sie, Norwegen hat sie, selbst China und Indien sind dabei, nur in Deutschland hat man wieder etwas länger gebraucht um sich zu einigen – und zwar auf die Förderung der Elektromobilität. Eigentlich sollte bereits letztes Jahr darüber entschieden werden, aber nachdem man sich über die Kostenverteilung nicht einig war, nachdem von Gegnern einer Prämie vorgeschlagen wurde doch lieber die Ladeinfrastruktur voranzutreiben und sich dann noch Finanzminister Schäuble quer stellte, musste das Thema erst von der Kanzlerin zur Chefsache erklärt werden um wieder Bewegung ins Spiel zu bringen.

Natürlich muss auch dem Ausbau der Ladeinfrastruktur eine hohe Priorität eingeräumt und entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, aber es gibt kein Entweder-Oder mehr, es muss beides passieren um Deutschland weiterhin als Speerspitze Europas im Bereich der Elektromobilität zu positionieren.
Das hat man zum Glück gerade noch rechtzeitig erkannt und setzt nun sowohl politisch als auch wirtschaftlich viele Hebel in Bewegung um das Thema voranzutreiben. Selbst wenn die dafür notwendigen Investitionen vom Staat und von der Wirtschaft so manchem Aktienanleger die kurzfristigen Gewinnaussichten seiner Automobilaktien verhageln werden, dieser Schritt ist für die Zukunft der deutschen Hersteller alternativlos.

Tesla Model 3 Prototyp Visualisierung

Das Tesla Model 3 wäre nach Abzug einer staatlichen Prämie preislich noch interessanter als es eh schon ist

Die Nachbarn machen es vor

Vorreiter in Sachen Förderung ist Norwegen, wo auf Autos eine Steuer in Höhe von 25% des Kaufpreises erhoben wird, die für Elektrofahrzeuge komplett wegfällt. Zudem muss man keine Importsteuer, keine Abgasabgaben, keine Autobahngebühr und an vielen Ladesäulen auch den Strom nicht bezahlen. Durch dieses Bündel an Maßnahmen kann man etwa einen E-Golf für knapp 9000 Euro günstiger bekommen als das Verbrenner-Pendant und das bei einer besseren Serienaustattung. Norwegen ist allerdings ein reiches Land, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist doppelt so hoch wie bei uns und das Land hat nur 5 Millionen Einwohner, weshalb viele den Vergleich kritisieren.

Aber auch unser direkter und von der Wirtschaft sowie Sozialstruktur besser vergleichbarer Nachbar Frankreich hat den alten und schmutzigen Verbrennerautos den Kampf angesagt. Dort gibt es bis zu 10.000 Euro Abwrackprämie für die Verschrottung besonders alter Dieselfahrzeuge, wenn im Gegenzug ein Elektroauto angeschafft wird. Da die Franzosen ähnlich den Deutschen ein sehr markentreues Volk sind und speziell Renault mit dem Zoe in der ersten Liga der Elektromobilität mitspielt, wird diese Subvention wohl vorwiegend inländischen Herstellern zugute kommen.

Die Franzosen sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben die Preise für Benzin und Diesel angeglichen, ein auch bei uns längst überfälliger Schritt. Historisch gesehen wird der Steuervorteil für Dieselkraftstoff mit der Chancengleichheit im europäischen Güterverkehr, also für LKW und Güterzug-Lokomotiven begründet. Warum davon jedoch private PKW profitieren müssen und man deshalb die massenhafte Überschreitung diverser europäischer Grenzwerte für die Luftreinheit in Kauf nimmt, das bleibt bis heute ein Rätsel und ist angesichts der aktuellen Faktenlage nicht mehr nachvollziehbar.

Übersicht der Förderung anderer Länder

Bisherige Förderprogramme der Elektromobilität in ausgewählten Ländern

Wer jetzt glaubt, dass mit 10.000 Euro und einer Angleichung der Kraftstoffpreise bereits das Ende der Fahnenstange erreicht ist, der irrt sich. In China wurde die Anzahl der Zulassungen für Verbrennerfahrzeuge stark eingeschränkt. Die Vergabe neuer Nummernschilder erfolgt über ein Lotteriesystem, auf 2 Millionen Bewerbungen kommen 20.000 Neuzulassungen pro Monat. Wer nicht Monate oder gar Jahre auf sein Kennzeichen warten möchte, der kauft sich ein Elektroauto, denn für diese gibt es keine Zulassungsbeschränkungen.

Indien verschenkt Elektroautos

Das chinesische Modell scheint auf den ersten Blick in Europa nicht anwendbar zu sein, aber um die Klimaziele zu erreichen haben auch einige Staaten auf dem europäischen Kontinent bereits drastische Maßnahmen angekündigt. So planen die Norweger ab 2025 ein Zulassungsverbot von neuen Autos mit Benzinmotor, die Holländer greifen das Thema ebenfalls auf und Österreich würde am liebsten bereits 2020 keine neuen Verbrenner mehr zulassen.

Wie bereits im Blog-Artikel zur Marktentwicklung kurz erwähnt geht es aber auch kreativer, wie Indien mit einem ambitionierten Plan zeigt. Auf Basis eines Milliardenbudgets und der Zusammenarbeit mit Herstellern, die in Indien Fahrzeuge produzieren, möchte die Regierung einen Großteil der Anschaffungskosten übernehmen und die Autos quasi verschenken. Als Gegenleistung zahlt der Autobesitzer die jeden Monat eingesparten Energiekosten in Raten an den Staat zurück, um das Fahrzeug abzubezahlen. Klingt ziemlich mutig und weitere Details sind noch nicht bekannt, aber vom Prinzip her hat diese Art der Finanzierung bereits in anderen Bereichen funktioniert.
Es bleibt daher spannend auf dem internationalen Markt zur Förderung der Mobilität des 21sten Jahrhunderts.

Wenn der Staat nichts tut, dann regeln wir es selbst

Der disruptive Charakter der Elektromobilität wird jedoch nicht nur auf Bundesebene erkannt. Die großen Städte als die primär Leidtragenden der Verbrenner-Technologie, haben bereits eigene Förderprogramme gestartet, um ihre Zentren auf absehbare Zeit für die Bewohner wieder deutlich lebenswerter zu machen.

Die endgültige Entscheidung ob es eine bundesweite Bezuschussung für den Kauf von Elektroautos geben wird, die soll Ende April getroffen werden. Aus inoffiziellen Quellen heisst es, dass es aktuell nur noch um das Wie geht und nicht mehr ob diese Förderung kommt.
Da wir vom ursprünglichen Ziel von einer Million in Deutschland zugelassenen Elektroautos bis 2020 noch sehr weit entfernt sind und da wir nicht nur das Ziel des Leitmarktes völlig verfehlt haben, sondern als größte Auto-Nation auch noch als Leitanbieter immer mehr ins Hintertreffen geraten und an Bedeutung verlieren, war es nun höchste Zeit endlich zu handeln.

Im zweiten Teil zu diesem Thema werde ich auf alle Details der kommenden staatlichen Förderung für Elektroautos eingehen, die nun hoffentlich endlich bis Ende des Monats in Stein gemeißelt sein werden.

Wie ist eure Meinung? Hinterlasst mir doch einen Kommentar unter diesem Blogeintrag, das geht auch als Gast.

Weiterlesen im Blog: Mythen der Elektromobilität Teil 2 – Wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

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