^ übersicht Mobilitätskonzepte der Zukunft Teil 1 – Städtischer Verkehr neu gedacht

29.04.2016 by Tesla3.de

Zu Teil 2 der Serie: Mobilitätskonzepte der Zukunft Teil 2 – Städte miteinander verbinden

In dieser Serie werden Trends und Konzepte der zukünftigen Mobilität vorgestellt, die ich für besonders interessant und diskussionswürdig halte. Der erste Teil beginnt mit dem städtischen Verkehr, dort ist die Richtung in die es in Zukunft gehen wird noch am ehesten absehbar. In den folgenden Teilen geht es dann um Verkehrskonzepte zur Verbindung von Städten sowie über die Landesgrenzen hinweg.

Wenn man die letzten 50 Jahre der städtischen Mobilität Revue passieren lässt, dann muss man sich ernüchtert eingestehen, dass wir es nicht wirklich geschafft haben etwas Grundlegendes an der Art und Weise unserer Fortbewegung zu ändern. Weder haben sich die Fortbewegungsmittel und ihre Antriebstechnologien bisher entscheidend verändert, noch die Konzepte die Mobilität des Einzelnen effizienter zu organisieren.
Zwar sind in den letzten Jahren einige neue Konzepte ausprobiert worden, aber die Anzahl der in den Städten fahrenden Autos ist trotzdem stetig gestiegen und der Regelfall sind große, schwere Fahrzeuge in denen nur eine Person sitzt.

Die Bewohner holen sich ihre Stadt zurück

Durch effizientere Motorentechnologie wie der Hochdruck-Direkteinspritzung sind die entstehenden Feinstaubpartikel mittlerweile lungengängig geworden und passieren zum Teil sogar die Blut-Hirn-Schranke, so dass die gesundheitlichen Auswirkungen der Schadstoffbelastung ungeahnte Dimensionen erreicht hat. So sterben aktuell alleine in London jedes Jahr fast 10.000 Menschen an der Luftverschmutzung, die zum Großteil durch Abgase von Dieselmotoren verursacht wird.
Auch die ständige Lärmbelastung durch den Individualverkehr dürfte ein Ausmaß erreicht haben, das es noch nie in unserer Geschichte gegeben hat. Es gibt zwar in Großstädten erste zaghafte Gegenwehr der Stadtbewohner und theoretische Lösungsansätze in Form von Lärmminderungs- und Luftreinhalteplänen, doch grundlegende Veränderungen stehen uns erst noch bevor.
Die Hoffnung, dass wir den Peak des ungebremsten Wahnsinns des motorisierten Individualverkehrs in diesem Jahrzehnt erreicht haben ist zum Glück gut begründet und ich möchte hier einige der Ideen vorstellen, die möglicherweise ein neues Zeitalter der Mobilität in europäischen Großstädten einläuten werden.

Der Drahtesel ist die flexibelste Art sich fortzubewegen

Beginnen wir mit den Verkehrsmitteln für die innerstädtische Kurzstrecke. In den meisten Stadtzentren teilen sich momentan noch Autos, Fahrräder, Fußgänger und der öffentliche Personennahverkehr die vorhandenen Wege.

Einst das Verkehrsmittel für Arme, erlebt das Fahrrad gerade eine Renaissance und steigert Jahr für Jahr seine Anteile an den innerstädtischen Kurzstrecken.
Die Gründe sind vielfältiger Natur, aber die Vorteile des Fahrrads sprechen für sich:
Man ist in einem Radius von mehreren Kilometer um das Stadtzentrum fast immer schneller unterwegs als mit anderen Verkehrsmitteln, es gibt Parkmöglichkeiten in nächster Nähe zu fast allen Zielen, man ist zeitlich flexibel, unabhängig von der Verkehrssituation und zu guter Letzt ist es ein willkommener Ausgleich für Büroangestellte, die sich tagsüber nicht genug bewegen.

Rotwild Elektrofahrrad und BMW C1 Elektroroller

Die elektrische C1-Studie von BMW als Fahrrad-Alternative für den Innenstadtverkehr der Zukunft

Da in den großen Unternehmen heutzutage meistens Duschmöglichkeiten vorhanden sind und man durch Elektroräder selbst größere Distanzen stressfrei zurücklegen kann, steigen immer mehr Stadtbewohner auf das Fahrrad als primäres Verkehrsmittel um. Die zunehmende Verbreitung von quasi unplattbaren Reifen, bequemen Nabenschaltungen, zuverlässiger LED-Beleuchtung, robuster Elektroantriebe und die Freigabe vieler Einbahnstraßen für den Radverkehr haben sicher auch einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu diesem Siegeszug geleistet. Und das Beste an der ganzen Sache ist, dass man mit etwas handwerklichem Geschick kaum Wartungskosten hat und so gut wie kein CO2 in die Atmosphäre emittiert.

Aber reichen all diese Vorteile um das Fahrrad als Fortbewegungsmittel der Zukunft für die innerstädtischen Kurzstrecken zu etablieren und das Auto praktisch vollständig zu ersetzen?
Für den innerstädtischen Pendlerverkehr kann man das mit Sicherheit bejahen, denn in Städten die ihre Verkehrsplanung konsequent auf das Radfahren ausgerichtet haben – weltweit führend ist hier Kopenhagen – sind bereits heute Anteile um die 50 % am Berufsverkehr erreicht worden und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

Der Skycycle in London soll den Radverkehr revolutionieren

Über den Bahngleisen von London schwebt vielleicht zukünftig der Skycycle für Radfahrer

Das eigene Auto wird in europäischen Innenstädten für den Individualverkehr keine große Rolle mehr spielen, während der ÖPNV seine Bedeutung behalten wird, sei es für ältere und gehschwache Menschen oder wenn man keine Lust hat sich bei schlechtem Wetter passend zu kleiden oder die Frisur zu gefährden.

Die Stadt braucht das Auto heute schon nicht mehr

Bereits heute könnten die meisten Innenstadtbewohner für Fahrten innerhalb der Stadtgrenzen dank der vielen Car-Sharing-Angebote auf ein Auto komplett verzichten, der Anteil der zentrumsnahen Haushalte mit eigenem Fahrzeug ist etwa in München bereits auf unter 50 % gefallen, ein Trend der sich rapide fortsetzen wird. Für die jungen Generationen stellt das eigene Auto zudem längst kein Statussymbol mehr dar, zumal man es in der städtischen Tiefgarage sowieso nicht angemessen den Nachbarn präsentieren kann.

Auch für Strecken die über den innerstädtischen Verkehr hinaus gehen spielt das Fahrrad eine immer wichtigere Rolle. Die beiden wesentlichen Gründe dafür sind die zunehmende Verbreitung von Elektromotoren, die den Radius für bequeme Fahrten erheblich erweitern und der Ausbau spezieller Schnellwege, die ausschließlich für Fahrräder reserviert sind und die durch ampelfreie Querungen ein schnelles Vorankommen aus der Stadt hinaus sicherstellen. Vorreiter ist hier mal wieder Kopenhagen, die bereits zahlreiche solcher Schnellwege gebaut haben, was zu der enorm hohen Zahl an radlfahrenden Pendlern geführt hat.
Trotz dieser Entwicklung wird wahrscheinlich in den meisten Großstädten auch zukünftig ein beträchtlicher Anteil der Pendler mit öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit fahren.

Das Bindeglied zwischen Innenstadt und Stadtrand

Der öffentliche Personennahverkehr stellt quasi das Bindeglied zwischen innerstädtischen Bereichen und dem Stadtrand bzw. den Außenbezirken dar. Hier werden auch auf absehbare Zeit die Verkehrsmittel der Wahl die U-Bahn, die Tram und der Busverkehr bleiben. Das Auto wird auch hier noch eine wichtige – aber stetig abnehmende – Rolle spielen, allerdings mit Verkehrskonzepten die im nächsten Abschnitt genauer beschrieben sind.
Der Schwerpunkt bei der Optimierung des ÖPNV liegt in der Taktverdichtung und in der Steigerung der Effizienz sowie der Vermeidung lokaler Emissionen.

Da Busse aufgrund der vergleichweise weniger aufwändigen Herstellung und der größeren Flexibilität nach wie vor von der CO2-Bilanz pro Fahrgast die besten öffentlichen Verkehrsmittel darstellen, wird zur Zeit versucht die lokalen Emissionen zu verhindern und gleichzeitig die Effizienz zu steigern. Dafür gab es bereits die verschiedensten Ansätze, wie etwa die Schwungradspeicher, bei denen Energie mechanisch als Rotationsenergie gespeichert wird. Diese Technologie wurde in den 90er-Jahren in Bremen und München im Busverkehr eingesetzt, sie ist aber schwer und teuer und hat sich deshalb nicht bewährt.
Die Zukunft liegt daher in elektrischen Bussen mit modernen Akkuspeichern, die keine lokalen Emissionen erzeugen:

Van Hool Akkubus vom VHH in Hamburg

Dieser Akkubus kann zukünftig in Hamburg emissionsfrei im Nahverkehr eingesetzt werden

Der starre Fahrplan von Bussen im öffentlichen Nahverkehr, die niedrige Geschwindigkeit, die mäßige Beschleunigung und der regelmäßige Aufenthalt an zentralen Busbahnhöfen sind geradezu ideale Voraussetzungen für den Akkubetrieb und die Nutzung von Elektromotoren, die extrem hohe Wirkungsgrade erlauben. So plant etwa der Verkehrsbetrieb in Hamburg ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse anzuschaffen. Für welches System sich die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) entscheiden werden ist noch unklar, der chinesische Hersteller von Elektrobussen BYD hat jedenfalls bereits eine beeindruckende Flotte solcher Fahrzeuge produziert, die man in diesem Youtube-Video bewundern kann.

Die Wiedergeburt der Automobilität

Wie aber sieht es außerhalb der Innenstädte, etwa in den Wohngebieten am Stadtrand aus?
Hier leben oft Familien, die vielfältige Mobilitätsbedürfnisse haben, die sich nicht immer ausschließlich mit einem einzigen Verkehrsmittel abbilden lassen und ebenso ältere Menschen, die ihre jahrzehntelang gewohnten Gepflogenheiten nicht von heute auf morgen über Bord werfen möchten.

Für diese Bedürfnisse wird es weiterhin Autos geben, aber langfristig nicht mehr auf die bisher gewohnte Art und Weise. Der Trend geht jedenfalls dahin die Mobilität als Dienstleistung und somit unabhängig vom Fahrzeugbesitz zu sehen.

Wie wäre es, wenn man zukünftig per Handy-App seine Route vorher schon plant und dann ein autonomes Fahrzeug den Weg bis vor die eigene Haustüre zurücklegt, um einen abzuholen? Nachdem das Auto einen am Zielort oder beim nächsten Verkehrsmittel abgesetzt hat, fährt es selbstständig wieder in die Reichweite potentieller Folgenutzer.

BMW i3 bringt in Kopenhagen Fahrgäste zum ÖPNV

Ein BMW i3 bringt in Kopenhagen Fahrgäste zum Busbahnhof

Das autonom fahrende Auto, das mit den anderen Verkehrsteilnehmern – auch Fußgängern und Radfahrern – selbstständig kommuniziert wird definitiv eine wichtige Rolle bei der zukünftigen Mobilität spielen und der flächendeckende Einsatz ist nur noch eine Frage der Zeit.
Diese vernetzten Mobilitätskonzepte werden künftig Unternehmen wie Uber und Tesla mit Nachdruck verfolgen und damit die den ÖPNV ergänzende Schnittstelle zwischen der Innenstadt und den Randgebieten darstellen.

Natürlich wird es immer Menschen geben die lieber ein eigenes Fahrzeug besitzen, aber wie man an den innerstädtischen Car-Sharing-Anbietern eindrucksvoll sehen kann, gibt es bereits heute genügend Menschen die ihr Geld lieber für sinnvollere Dinge ausgeben.

Da sowohl am Stadtrand als auch auf dem Land der Druck nicht besonders groß ist lokale Emissionen zu verhindern, wird es spannend was sich dort letztendlich für ein Konzept durchsetzen wird. Meiner Meinung nach wird das Elektroauto sich alleine schon aufgrund der dezentralen Lademöglichkeit auf dem eigenen Grundstück, spätestens bei Vorhandensein reichweitenstarker Fahrzeuge, durchsetzen. Ob sich aber in weniger urbanen und eher dünn besiedelten Regionen diejenigen Konzepte durchsetzen werden, bei denen man das Fahrzeug mit anderen Nutzern teilt, das darf durchaus kontrovers diskutiert werden.

Wie ist eure Meinung? Hinterlasst mir doch einen Kommentar unter diesem Blogeintrag, das geht auch als Gast.

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