München bekommt den ersten Tiefgaragen-Supercharger

München ist mit weit über tausend Ladestationen zwar deutscher Meister der Ladeinfrastruktur, allerdings können die meisten Fahrzeuge dort nur mit einer Leistung von 11 Kilowatt laden, was eine Standzeit von mehreren Stunden erfordert, um ein leeres Elektroauto wieder voll mit Strom zu versorgen. Die Schnelllade-Infrastruktur wurde bisher hingegen stiefmütterlich behandelt. Auf eine Anfrage im Jahr 2019 antwortete der für den Ausbau zuständige Abteilungsleiter ausweichend, mit Verweis auf das Eichrecht und dass ja die eine oder andere „schnelle“ Ladestation mit einer Leistung von 50 Kilowatt geplant wäre. Passiert ist seitdem leider wenig, vor allem die in den Stadtteilzentren für Laternenparker dringend benötigten Standorte mit Ladeleistungen von 100 Kilowatt oder mehr, lassen bis heute auf sich warten.

Ausschnitt der städtischen Antwort auf die Bitte mehr schnelle Ladestationen zu errichten

Diesen Mangel hat Tesla nun auch in München angepackt und eröffnet Anfang 2021 die ersten beiden städtischen Supercharger. Einer davon wird im Gewerbegebiet Brunnthal im Osten Münchens eröffnen und der andere sogar innerhalb der Stadtgrenzen, in der Tiefgarage des Einkaufszentrum „Pasing Arcaden“. Dies ist der erste Supercharger-Standort in einer Tiefgarage in Deutschland, während in China (z.B. in Hong Kong) oder der Schweiz (St. Moritz) bereits vergleichbare Standorte existieren, in der Regel allerdings mit geringerer Leistung je Ladeplatz.

Wie wir beim Ortsbesuch in den Pasing Arcaden feststellen konnten, hat Tesla beim ersten innerstädtischen Supercharger in München nicht gekleckert, sondern geklotzt. Gleich 12 Ladeplätze, jeder davon mit einer Leistung von bis zu 250 Kilowatt, stehen den Tesla-Fahrern dort zur Verfügung. Aktuell werden noch Tests und Abnahmen durchgeführt, der Standort soll im Januar eröffnen.

Insgesamt 12 Ladeplätze mit je 250 kW Leistung stehen zur Verfügung

Da diese neuen Supercharger standardkonform mit einem CCS-Stecker versehen sind, könnten theoretisch zukünftig auch andere Marken ihre Elektroautos hier laden. Bisher ist allerdings nicht bekannt, ob ein anderer Hersteller sich an Teslas Ladenetz beteiligen wird.

Auch wird sich zeigen müssen, wie Tesla die Regeln zur Einfahrt in die Tiefgarage gestalten möchte, denn aktuell ist die Einfahrt nur kostenpflichtig und während der Öffnungszeiten des Einkaufszentrum möglich, am Sonntag ist geschlossen. Denkbar wäre, dass hier im Fahrzeug-Navi ein Zugangscode angezeigt wird, mit dem man auch außerhalb der Öffnungszeiten in die Tiefgarage einfahren kann. An anderen Standorten wird dies bereits ähnlich praktiziert, etwa zum Öffnen von Zugangsschranken oder für die Eingangstür der Tesla-Lounge.

Fazit

Mir gefällt die Idee der innerstädtischen Supercharger sehr gut und ich habe bereits vor Jahren den Oberbürgermeister der Stadt München gebeten, hier lieber in Vorleistung zu gehen, als am Ende mit zu wenig Ladeinfrastruktur da zu stehen. Bei den langsamen Ladern hat München ohne Zweifel einen vorbildlichen Ausbau innerhalb der letzten beiden Jahre vorgenommen, leider aber nur dort.
Den Mangel fehlender Standorte zum schnellen Laden von Elektroautos in der Stadt beheben nun Tesla und auch zunehmend der Anbieter EnBW aus dem Nachbar-Bundesland. Für Laternenparker ist das eine gute Nachricht, denn nun wird der Besitz eines Elektroautos, selbst ohne Lademöglichkeit am eigenen Stellplatz, einfacher und komfortabler. Ich bin zuversichtlich, dass die nächsten Jahre noch viele weitere Standorte hinzu kommen werden und damit die Praxistauglichkeit sowie den Komfort weiter erhöhen.

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